Man hätte dieser Tage nicht in der Haut der armen Promis stecken wollen, die sich für ihren Hungerlohn auf den roten Teppichen der Berlinale allesamt eine Lungenentzündung zuzogen. Da fiel das Lächeln schwer, wenn man nur mit einem Hauch von Haut-Couture bekleidet bei minus 200 Grad für die Kameras posieren muss. Wohl dem der sich schon den Status einer Anke Engelke erwirtschaftet hat und es sich leisten konnte, den roten Teppich zu schwänzen.
Zu all dem Elend hat einer allen die Show gestohlen, der “Leo” . Spätestens seit Titanic sind mindestens die Hälfte der Frauen von 12-65 dem zarten Jüngling verfallen und die Berichterstattung der Berlinale drehte sich außer um die bibbernden Promis vor allem darum, wo “Leo” dinierte und wann er mit seiner “Bar” an der Bar abstürzte.
Düster wie die Stimmung der frierenden Promis, waren dieses Jahr auch die Beiträge des Filmfestivals. In “Ghostwriter” wird ein britischer Ex-Premier Geisel seiner eigenen politischen Verstrickungen. Roman Pollanski wurde für diesen Beitrag mit dem Regie-Bären ausgezeichnet. Auch “The Killer Insider Me” ist schwerer Stoff, der Film gibt einen tiefen schonungslosen Einblick in die Seele eines Serienmördes. In dem Werk des viel gerühmten Regisseurs Martin Scorsese, verliert ein US-Marschall (Leonardo di Caprio) auf der Gefängnisinsel Shutter Island den Verstand.
Selbst leichtere Beiträge wie zum Beispiel “Greenberg”, eine Satire mit Ben Stiller, kommen nicht ohne Melancholie aus.
Neben dem Leitmotiv :”verlorene Männern gefangen an unheimlichen Orten, oder in ihrer eigenen Psychose”, gab es ein weiteres, und zwar “Familie”.
In Beiträgen, wie dem Gewinner “Bal”-Honig”, dem Roadmovie “Mammut”, mit Gerard Depardieu als pensionierter Schlachthofarbeiter auf der Suche nach sich Selbst und “Eine Familie” von Pernille Fischer Christensen, beschäftigten sich die Regisseure ausgiebig mit der kleinsten Sozialeinheit.
Wie oben bereits erwähnt, ging der goldene Bär an den Film “Bal-Honig”. Dem letzten Teil einer rückwärts erzählten, autobiographischen Trilogie von Semih Kaplanoglu. Ei-Milch-Honig, die Trilogie die sich zunächst wie ein Pfannkuchenrezept anhört, behandelt das Leben von Yussuf, einem Jungen aus der anatloischen Provinz. Die deutsch-türkische Koproduktion “Honig” beschäftigt sich mit einem sechsjährigen, dessen Vater, ein Bienenzüchter, spurlos im Bergwald verschwindet. Der Junge hört daraufhin auf zu sprechen und begibt sich später selbst auf die Suche nach seinem Vater. Der poetische Film, der von verschiedenen Kritikern als kantenlos, sowie harmlos, bezeichnet wurde, besticht vor allem durch seine schönen und eindringlichen Naturbilder.
Die sechzigste Berlinale sei “kalt aber cool” gewesen verkündete Dieter Kosslick, der Festivalchef, auf der Abschlussgala des Festivals. Jedoch bleibt der Coolnessfaktor trotz Besucherrekords von 300.000 Cineasten fragwürdig, da große Stars wie Penelope Cruz, Jessica Alba, Nicole Kidman, Sophia Loren und Judi Dench bei der Premiere ihrer Filme durch Abwesenheit glänzten. Ein Glück, dass wenigstens auf unseren Leo Verlass ist.